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Digitales Mobbing ist Thema beim Digitalen Stresstest am 8. Mai 2019 im Kulturwerk am See

Prävention muss jetzt mit der Aufklärung von Schülern, Eltern und Pädagogen beginnen!

Digitaler Stresstest zum Thema „Digitales Mobbing“: Emotionaler Abend mit 400 Gästen und Experten zu einem sensiblen Thema

Diskriminierung im Internet ist keine Randerscheinung: Mehr als eine Million Kinder und Jugendliche sind in Deutschland von Mobbing betroffen. Fast täglich werden sie schikaniert, ausgegrenzt und herabgewürdigt – und das nicht nur offline, sondern auch im Internet, einem Medium, das nicht vergisst. Beim Digitalen Stresstest widmete sich wilhelm.tel  gemeinsam mit  der Schirmherrin der Veranstaltung, Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, dem Thema „Digitales Mobbing“ und hat dafür Experten aus den Bereichen Coaching, Social Media und direkt aus den Schulen zusammen an einen Tisch gebracht, um den rund 400 Besuchern erste Impulse und Lösungsansätze zu geben. In die Diskussionsrunde auf der Bühne im Norderstedter Kulturwerk brachte sich schnell das Publikum mit ein: mutige Jugendliche, die über Mobbing bei sich selbst oder Freunden berichteten, Erwachsene, die Ähnliches erlebt haben sowie Empfehlungen für andere gaben und auch Sozialarbeiterinnen, die im Alltag mit Mobbing konfrontiert sind. Das machte den Abend zu einer emotionalen Veranstaltung.

Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl besitzt eine Präsenz, der sich auch die rund 400 anwesenden Besucher kaum entziehen können. Die Jugendlichen schauen zu ihm auf. Er ist einer von ihnen, er spricht ihre Sprache. Aufgewachsen in einem Brennpunkt Berlins  war er erst Opfer und dann selbst Täter. Bei seinem Impulsvortrag „Stoppt Mobbing“ steckt jeder Satz voll Leidenschaft und Sorge um das Wohl von Kindern. Mit Camp Stahl e.V. und der bundesweiten Kampagne „Stoppt Mobbing“ will er aufklären und kämpft so gegen Gewalt, Mobbing und Drogen an Schulen. Unermüdlich setzt er sich wie auch an diesem Abend in Norderstedt dafür ein, Gesellschaft und Politik für das Thema Gewalt und Mobbing zu sensibilisieren.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wird schnell klar, dass Mobbing auch an den Norderstedter Schulen ein Thema ist. „Alle zwei bis drei Wochen gibt es einen Fall, der bis zur Schulleitung durchkommt“, berichtet Carsten Apsel, Schulleiter aus Norderstedt. Eine große Herausforderung für die Schulen liegt beim digitalen Mobbing darin, dass sich dies häufig in Gruppenchats abspiele, denen sie aus rechtlichen Gründen nicht beitreten dürfen. Er ermutigt daher Schüler und Eltern: „Meldet euch bei uns, habt den Mut, an uns heranzutreten.“ An einer alternativen Chatmöglichkeit, die gemeinsam von Schülern und Schulen genutzt werden kann, arbeite man in Norderstedt bereits. Wichtig für die Prävention und Bekämpfung von Mobbing ist seiner Meinung nach außerdem eine Umstrukturierung von Curricula und mehr Zeit, Schulen über Cybermobbing und im Umgang mit sozialen Medien aufzuklären.

Carsten Apsel und Schulsozialarbeiterin Selina Krieg betreuen rund 700 Schülerinnen und Schüler und sorgen gemeinsam für Strukturen und eine Atmosphäre, die gegenseitige Wertschätzung und Toleranz fördern. Beide sind sich einig darüber, dass Schulsozialarbeit eine wichtige Rolle spielt und in Norderstedt entsprechend gut aufgestellt ist. Denn da Selina Krieg die Schüler nicht wie Lehrer benotet, hat sie einen besonderen Zugang zu ihnen, wirkt als Vertrauensperson. Für die Prävention und Bekämpfung von Mobbing wünscht sie sich deshalb mehr Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter an Schulen. Dennoch weiß sie, dass es für die meisten Betroffenen bereits eine Hürde ist, sich überhaupt jemandem anzuvertrauen und über die Erlebnisse zu sprechen. Wichtig ist für sie, auch mit den Tätern ins Gespräch zu gehen. „Viele Täter kommen zu mir und wissen einfach nicht, wie sie aus ihrer Rolle herauskommen können, daher muss man auch hier Angebote machen“, erzählt sie aus ihrem Alltag.

Konrad Heyer, Abiturient und Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirats Norderstedt, ist die schwierige Situation um Gruppenchats bekannt: „Hier ist die Gefahr, dass man die andere Person nicht sieht und daher gar nicht direkt mitbekommt, was eigene Aussagen bei der anderen Person anrichten.“ Die Bekämpfung von Mobbing beginnt für ihn mit Prävention: „Ich wünsche mir, dass über Mobbing geredet wird, bevor es überhaupt da ist, dass es zum Beispiel Workshops an Schulen gibt, in denen über Mobbing aufgeklärt wird.“

Für einen Blickwinkel außerhalb der Schule sorgt die Hamburger Influencerin Charlotte Weise. Mehr als 60.000 Menschen folgen ihr auf Instagram. Mit ihren Beiträgen über Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Selbstliebe und Lebensfreude ist sie sich der Reichweite ihres Handelns durchaus bewusst. Auch sie musste schon selbst erleben, was es heißt, sich mit diskriminierenden Kommentaren im Netz auseinander zu setzen. „Die Hemmschwelle sinkt im Netz total. Es ist wie im Auto. Erstmal hupen, aber wenn man dann direkt konfrontiert wird, zieht man zurück.“ Sie stimmt mit den anderen Panelteilnehmern darin ein, dass eine Stärkung des Selbstwertgefühls jeder Schülerin und jedes Schülers einen großen Beitrag zur Prävention von Mobbing darstellt. Charlotte Weise wünscht sich daher für die Zukunft das Schulfach Glück, in dem die Kinder Selbstbewusstseinsübungen lernen.

Carsten Stahl öffnet schließlich die Perspektive über Norderstedt und die Metropolregion hinaus und schildert in seiner schonungslos offenen Art, welche Situationen er während seiner bundesweiten Arbeit an den Schulen erlebt: „Der einzelne Täter ist nicht das Problem. Es ist die Masse, die schweigt und wegschaut. Wir müssen als erstes die Opfer von Mobbing stärken und zeigen, dass sie sind nicht allein sind. Wir müssen den Mitläufern zeigen, dass es nicht cool ist, was sie tun.“ Bislang nahmen rund 47.000 Schülerinnen und Schüler an seinen Trainings teil. „Ich hoffe und bitte darum, dass sich Deutschland, die Politik und das Schulsystem dem Thema Mobbing öffnen und den Opfern, Tätern, Mittätern, Eltern und Lehrern Unterstützung bieten. Wir müssen damit jetzt beginnen, bereits in den Kitas und Grundschulen, und die Pädagogen entsprechend ausbilden“, so Carsten Stahl. Er bot Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder an, gemeinsam mit ihm ein Zeichen gegen Mobbing zu setzen. Die Oberbürgermeisterin ist sich der Brisanz des Themas bewusst: „Wir dürfen das Thema nicht totschweigen und sollten es gemeinsam mit den Schulleitungen angehen.“ Im Anschluss an die Veranstaltung tauschten sich Carsten Stahl und Elke Christina Röder über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aus.

Theo Weirich , Geschäftsführer von wilhelm.tel, zeigt sich als Gastgeber zufrieden: „Der Abend hat gezeigt, dass noch viel zu tun ist im Bereich Mobbing, aber auch, dass es hier viele engagierte und vor allem mutige Schüler, Eltern und auch Lehrer sowie Sozialarbeiter gibt, die sich für das Thema einsetzen. Das ist wichtig für Norderstedt und die gesamte Metropolregion Hamburg.“

Bildunterschrift Gruppenbild: v.l.n.r. Carsten Apsel, Selina Krieg, Carsten Stahl, Charlotte Weise, Konrad Heyer (© André Czartowski)

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